Lehrmethoden sind didaktische Wege und Vorgehensweisen, mit denen Lerninhalte vermittelt werden. Einfach gesagt: Es geht darum, wie du etwas lehrst, nicht nur was du lehrst. Jede Lehrmethode hat ihre Besonderheiten. Einige Methoden sind eher ausbilderzentriert (der Ausbilder steht im Mittelpunkt und vermittelt aktiv, z.B. durch Vortrag oder Demonstration), andere sind auszubildendenzentriert (die Azubis erarbeiten sich Wissen aktiver selbst, z.B. durch Gruppenarbeit oder Projekte). Gute Ausbilder kennen mehrere Methoden und können je nach Situation flexibel die passende auswählen.
Essenziell ist, dass die Methode immer zur Lernsituation passt. Das bedeutet, sie sollte dem Thema, dem Lernziel und der Zielgruppe (z.B. Alter, Vorwissen der Auszubildenden) angemessen sein. Ein praxisnahes handwerkliches Thema erfordert zum Beispiel eine andere Herangehensweise als ein theoretisches Regelwerk. Außerdem gilt: Abwechslung im Methodenmix erhöht die Motivation und den Lernerfolg. Wer immer nur im Vortragstil schult, riskiert Langeweile – Unterweisungsmethoden wie Praxisübungen oder Gespräche dagegen beziehen die Lernenden aktiv mit ein und sorgen für mehr Verständnis.
Lehrmethoden sind also die Werkzeuge im pädagogischen Werkzeugkoffer des Ausbilders. Sie entscheiden maßgeblich darüber, wie gut Inhalte bei den Auszubildenden ankommen und verstanden werden. In der AEVO werden diese pädagogischen Fähigkeiten daher ausdrücklich geprüft.
Es gibt eine ganze Reihe von Ausbildungsmethoden. Im AEVO-Kontext gelten einige jedoch als besonders relevant und „klassisch“, weil sie häufig eingesetzt und auch in der Prüfung gerne gesehen werden. Hier findest du einen praxisnahen Überblick über die wichtigsten Lehrmethoden.
Die Vier-Stufen-Methode ist ein echter Klassiker der Berufsausbildung und wird von vielen Ausbildern gerne genutzt, wenn es um praktische Fertigkeiten geht. Wie der Name sagt, erfolgt die Unterweisung in vier aufeinanderfolgenden Stufen. Diese Methode ist sehr ausbilderzentriert, aber effektiv, um handwerkliche oder technische Abläufe einzuüben. Diese vier Stufen beinhaltet die Methode:
Die Vier-Stufen-Methode eignet sich besonders für praktische, klar abgrenzbare Tätigkeiten, z.B. im Handwerk, in der Technik oder Produktion – überall dort, wo „Vormachen und Nachmachen“ sinnvoll ist. Sie wird oft in der AEVO-Prüfung für Unterweisungsthemen verwendet, weil sie eine klare Struktur vorgibt und sicherstellt, dass der Azubi den Ablauf fehlerfrei erlernt. Der große Vorteil ist die Schritt-für-Schritt-Anleitung: komplexe Handlungen werden in nachvollziehbare Schritte zerlegt. Außerdem können Fehler sofort korrigiert werden, was einen nachhaltigen Lernerfolg begünstigt.
Das Lehrgespräch wird auch als fragend-entwickelnde oder fragend-erarbeitende Methode bezeichnet. Hier steht der Dialog als Schlüssel zum Verständnis im Mittelpunkt. Anstatt dem Auszubildenden Inhalte vorzugeben, erarbeitet der Ausbilder diese gemeinsam mit ihm durch gezielte Fragen und Gespräche.
Wie funktioniert ein Lehrgespräch?
Der Ausbilder stellt vorbereitete offene Fragen, um den Azubi zum Nachdenken anzuregen und dessen Vorwissen oder Ideen abzurufen. Durch die Antworten des Azubis entwickelt sich Schritt für Schritt der Lerninhalt. Der Ausbilder moderiert das Gespräch, lenkt mit weiteren Fragen in die richtige Richtung und fasst wichtige Punkte zusammen. Geschlossene Fragen (Ja/Nein) werden vermieden, stattdessen fragt man nach „Warum?“, „Wie?“, „Wozu?“ – so kommen echte Denkanstöße zustande. Ein typischer Ablauf in drei Phasen:
Das Lehrgespräch ist ideal für theoretische oder kognitive Lerninhalte – beispielsweise, wenn es um Regeln, Zusammenhänge, Prozesse oder auch um Werte und Einstellungen geht. Es fördert das aktive Mitdenken des Auszubildenden und eignet sich besonders, wenn der Azubi schon ein gewisses Vorwissen hat, an das man anknüpfen kann. In der AEVO-Prüfung wird das Lehrgespräch gerne gesehen, weil es zeigt, dass der Ausbilder den Azubi einbezieht und zum Mitdenken anleitet. Auch komplexe oder kontroverse Themen (etwa Arbeitssicherheit, Kundenorientierung, Fachtheorie) lassen sich im Lehrgespräch gut behandeln, da der Austausch von Fragen und Antworten ein tieferes Verständnis schafft.
Der Begriff „Erarbeitende Methode“ bezeichnet allgemein alle Vorgehensweisen, bei denen die Auszubildenden den Lerninhalt aktiv mitgestalten und selbst erarbeiten, statt ihn passiv präsentiert zu bekommen. In gewisser Weise gehört auch das Lehrgespräch dazu (fragend-erarbeitend). Allerdings versteht man unter "erarbeitende Methode" häufig Szenarien, in denen der Azubi oder die Azubis eigenständig oder in Kleingruppen Aufgaben lösen, während der Ausbilder eher moderierend im Hintergrund bleibt.
Typische erarbeitende Unterweisungsmethoden sind z.B. der Lernauftrag oder die Leittextmethode. Hier gibt der Ausbilder eine Aufgabe oder einen Leitfaden vor, und die Auszubildenden erarbeiten sich die Lösung weitgehend selbstständig. Der Handlungsablauf orientiert sich oft am Modell der vollständigen Handlung. Die Lernenden sollen also selbst planen, entscheiden, ausführen und kontrollieren, um aus der Erfahrung zu lernen.
Wie kann die Erarbeitende Methode aussehen?
Ein Beispiel wäre, dem Azubi einen Arbeitsauftrag zu geben: „Recherchieren Sie mithilfe dieser Anleitung die Funktionsweise unseres neuen Kopiersystems und bereiten Sie eine kurze Erklärung vor.“ Der Ausbilder gibt Material (z.B. eine schriftliche Anleitung oder ein Video) – das ist die Leittextmethode – oder beschreibt eine Problemstellung, die es zu lösen gilt. Der Azubi (oder eine Azubi-Gruppe) erarbeitet die Lösung eigenständig. Anschließend präsentiert der Azubi das Ergebnis oder es findet ein Reflexionsgespräch statt, in dem der Ausbilder Feedback gibt und offene Punkte klärt.
Erarbeitende Methoden fördern Selbstständigkeit, Problemlösefähigkeit und Eigeninitiative. Sie eignen sich besonders, wenn Auszubildende bereits über etwas Vorwissen verfügen oder in höheren Lehrjahren sind, sodass sie Aufgaben alleine bewältigen können. Auch komplexe Lernsituationen, die mehrere Lösungswege zulassen (z.B. kleine Projekte, Recherchen, Qualitätsverbesserungen), können mit erarbeitenden Methoden angegangen werden. Im Rahmen der AEVO-Prüfung kommen reine erarbeitende Methoden etwas seltener zur Anwendung (da in 15 Minuten Selbstlernzeit schwierig ist). Dennoch kannst du Elemente davon einbauen oder im Fachgespräch erläutern, dass du z.B. einen Lernauftrag geplant hast, bei dem der Azubi selbst aktiv wird. Prüfer werten es positiv, wenn du handlungsorientierte Ansätze kennst, weil die Ausbildungsverordnung verlangt, Auszubildende zu eigenständigem Handeln zu führen.
Das Rollenspiel ist eine lebendige Methode, bei der eine praxisnahe Situation nachgestellt wird. Die Beteiligten übernehmen verschiedene Rollen, um bestimmte Verhaltensweisen oder Abläufe zu üben. Diese Methode wird häufig eingesetzt, um kommunikative Fähigkeiten, Kundenkontakt oder auch Konfliktlösungen zu trainieren.
Wie funktioniert ein Rollenspiel?
Zunächst definiert der Ausbilder ein Szenario und die Rollen: Zum Beispiel Kunde und Mitarbeiter im Verkaufsgespräch, oder unzufriedener Kunde und Servicemitarbeiter, oder Mitarbeiter und Vorgesetzter in einem Kritikgespräch. Die Auszubildenden (oder ein Ausbilder und ein Azubi) schlüpfen in diese Rollen und spielen die Situation möglichst realistisch durch. Es gibt meist einen Ablauf mit Phasen:
Das Rollenspiel eignet sich hervorragend für sozial-kommunikative Themen. Typische Einsatzfelder in der Ausbildung sind zum Beispiel: Kundenberatung, Verkaufsgespräche, Reklamationsbehandlung, Teamgespräche, Mitarbeitergespräche oder auch Arbeitssicherheitssituationen (z.B. der Azubi spielt den Kollegen, der auf Sicherheit vergisst, und lernt so das richtige Verhalten). Überall dort, wo Verhalten und Kommunikation trainiert werden sollen, bietet das Rollenspiel eine geschützte Übungsumgebung. Die Auszubildenden können Fehler machen, daraus lernen und sind beim echten Kundenkontakt dann besser vorbereitet.
Im AEVO-Prüfungsrahmen ist das Rollenspiel als Unterweisungsmethode eher selten, aber nicht ausgeschlossen. Einige Prüflinge wählen es, wenn ihr Thema es hergibt (z.B. „Umgang mit einem schwierigen Kunden“). Prüfer bewerten dann, ob die Szene gut vorbereitet war und ob der Ausbilder in der Auswertung gezielt auf Lernpunkte eingeht. Wenn du das Rollenspiel nutzt, achte darauf, klar zu moderieren: Stoppe ggf., falls es vom Thema abdriftet, und leite in die Nachbesprechung über, um die Erkenntnisse herauszuarbeiten.
Die Präsentation – oft in Form eines Lehrvortrags – ist eine Methode, bei der der Ausbilder einen Sachverhalt strukturiert darstellt und erklärt, meist unterstützt durch Medien (z.B. Folien, Tafel, Flipchart). In der AEVO-Prüfung ist die Präsentation eine der beiden möglichen Durchführungsformen (neben der Unterweisung). Aber auch im Ausbildungsalltag gibt es Momente, in denen ein kurzer Vortrag sinnvoll ist, etwa um Grundlagen einzuführen.
Merkmale einer guten Präsentation
Sie ist gut vorbereitet und klar strukturiert. Zu Beginn nennt der Ausbilder das Thema und die Ziele, schafft vielleicht mit einer Frage oder einem Beispiel einen interessanten Einstieg. Dann vermittelt er die Inhalte in sinnvollen Abschnitten. Grafiken, Beispiele oder praktische Demonstrationen können eingebunden werden, um das Verständnis zu fördern. Zum Schluss fasst der Ausbilder die wichtigsten Punkte zusammen und stellt eventuell Verständnisfragen oder regt eine kurze Diskussion an.
Auch wenn die Präsentation eher eine darbietende Methode ist (der Ausbilder redet, die Azubis hören zu), sollten die Zuhörer nicht völlig passiv bleiben. Gute Ausbilder beziehen ihr Publikum ein, zum Beispiel durch Fragen („Was schätzen Sie, wie hoch…?“), kleine Aufgaben zwischendurch oder indem sie Blickkontakt halten und auf Reaktionen achten. So bleibt die Aufmerksamkeit höher.
Eine Präsentation eignet sich besonders für die Vermittlung von Informationen und Theorie, z.B. Fakten, Regeln, Abläufe, die man zunächst erklären muss, bevor man sie anwenden kann. Sie ist effizient, um in kurzer Zeit viel Wissen zu transportieren – etwa bei Unterricht in der Berufsschule oder beim Unterweisen mehrerer Azubis gleichzeitig. Allerdings ist sie weniger geeignet, um Fähigkeiten einzuüben oder Verhaltensweisen zu trainieren, da hierbei die Aktivität der Lernenden fehlt. Daher sollte eine Präsentation idealerweise mit anderen Methoden kombiniert werden (z.B. ein anschließendes Üben oder Gespräch).
In der AEVO-Prüfung wählen manche die Präsentation als Prüfungsform. Dann hältst du einen Kurzvortrag vor dem Prüfungsausschuss (mit der Ausschuss als „Zielgruppe“ oder manchmal mit einem echten Azubi als Zuhörer). Die Prüfer achten hier auf didaktische Aufbereitung, Visualisierung, Fachlichkeit und ob die Präsentation nicht zu trocken ist. Für die Prüfung sollte man also trotz Lampenfieber versuchen, lebendig vorzutragen und methodisch zu variieren (z.B. eine Frage ans Publikum einbauen oder ein kleines Anschauungsobjekt zeigen).
Die Fallmethode (Fallstudie) stellt den Auszubildenden eine realistische Problemstellung oder einen komplexen Fall aus der Praxis, den es zu analysieren und lösen gilt. Diese Methode ist sehr anwendungsorientiert und zielt darauf ab, das analytische Denken und die Problemlösekompetenz zu fördern, indem Wissen auf konkrete Situationen übertragen wird.
Wie läuft die Fallmethode ab?
Der Ausbilder bereitet einen Fall vor – das kann eine schriftlich beschriebene Situation sein oder auch mündlich präsentiert. Beispiele: ein Kunde reklamiert ein Produkt mit bestimmten Bedingungen, ein Maschinenausfall mit bestimmten Symptomen, ein Teamkonflikt im Betrieb, ein Qualitätsproblem in der Fertigung etc. Die Auszubildenden (einzeln oder in Gruppe) erhalten alle relevanten Informationen zum Fall und vielleicht auch einige Leitfragen. Dann bearbeiten sie den Fall: Sie analysieren die Ursachen, diskutieren mögliche Lösungen, entscheiden sich für einen Lösungsvorschlag und stellen diesen vor.
Der Ausbilder beobachtet den Prozess, gibt Hilfestellung wenn nötig, und moderiert am Ende eine Auswertung: Man bespricht die verschiedenen Lösungsansätze, vergleicht sie und zieht Schlüsse für die Praxis. Oft gibt es nicht die eine richtige Lösung, sondern mehrere gangbare Wege – genau das lehrt die Azubis, flexibel zu denken.
Die Fallmethode eignet sich besonders für fortgeschrittenere Auszubildende, die schon über Grundlagenwissen verfügen. Sie ist ideal in kaufmännischen, sozialen oder auch technisch-administrativen Berufen, wo komplexe Situationen auftreten. Zum Beispiel im Handel für schwierige Verkaufssituationen, in der Verwaltung für Entscheidungsszenarien, in der IT für Problemlösungen, im technischen Bereich für Fehlersuche. Durch die Nähe zur echten Berufspraxis sind die Lerneffekte hoch: Die Azubis lernen, ihr theoretisches Wissen praktisch anzuwenden und zu vernetzen.
Gruppenarbeit ist eine Methode, bei der mehrere Auszubildende zusammen eine Aufgabe oder ein Projekt bearbeiten. Diese Methode fördert den sozialen Austausch, Teamwork und eigenständiges Lernen unter Gleichaltrigen. Der Ausbilder übernimmt hier hauptsächlich die Rolle eines Moderators und Coaches.
Wie verläuft eine Gruppenarbeit?
Zunächst teilt der Ausbilder eine geeignete Aufgabe aus, die von einer Kleingruppe (meist 2-5 Personen) gemeinsam gelöst werden soll. Wichtig ist, dass die Aufgabe klar formuliert ist und idealerweise ein greifbares Ergebnis hat (z.B. eine Präsentation, ein Poster, eine Lösungsskizze, ein kleines Produkt). Während die Gruppe arbeitet, ziehen sich Ausbilder etwas zurück, stehen aber für Fragen zur Verfügung. Die Auszubildenden diskutieren, teilen sich die Arbeit auf, recherchieren vielleicht und kommen gemeinsam zu einem Resultat. Am Ende präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse vor der Klasse oder dem Ausbilder, und es erfolgt eine Besprechung.
Gruppenarbeit eignet sich besonders, wenn du kreative Lösungen fördern möchtest oder wenn das Lernziel auch soziale Kompetenzen umfasst (Kommunikation, Kooperation, Konfliktfähigkeit). Typische Inhalte: Brainstorming zu Verbesserungen im Betrieb, gemeinsame Erarbeitung eines Fachthemas (jeder recherchiert einen Teil und dann wird zusammengefügt), basteln eines Lernplakats, Lösen einer Fallstudie im Team, oder das Planen einer kleinen Veranstaltung durch Azubis. Für sehr einfache Wissensvermittlung ist Gruppenarbeit weniger effizient, aber für tieferes Verständnis und Anwendung ist sie super, weil die Azubis voneinander lernen können. Außerdem sprichst du so unterschiedliche Lerntypen an – manche lernen beim Reden und Diskutieren besser.
Die Projektmethode oder Projektarbeit geht noch einen Schritt weiter als die Gruppenarbeit: Hier bearbeiten Auszubildende (meist im Team, manchmal auch einzeln) eine größere, komplexe Aufgabe über einen längeren Zeitraum, fast wie in einem echten Projekt. Dabei durchlaufen sie alle Phasen – von der Planung über die Durchführung bis zur Auswertung.
Was kennzeichnet die Projektmethode?
Ein Projekt in der Ausbildung ist oft eine realitätsnahe Aufgabe, die mehrere Lernziele verbindet. Zum Beispiel: „Plant und organisiert euer eigenes kleines Azubi-Projekt – etwa ein Tag der offenen Tür für unser Unternehmen“ oder „Fertigt gemeinsam ein nützliches Produkt an und präsentiert es“. Die Auszubildenden müssen zuerst planen (Wer macht was? Welche Ressourcen brauchen wir? Welcher Zeitplan?), dann die Aufgaben ausführen (umsetzen, mit unvorhergesehenen Problemen umgehen) und am Ende das Ergebnis präsentieren sowie den Verlauf reflektieren. Der Ausbilder begleitet als Berater, gibt anfangs den Rahmen und steht für Fragen bereit, greift aber möglichst wenig ein, solange das Projekt nicht scheitert oder völlig vom Lernziel abweicht.
Projektarbeit ist handlungsorientiert im besten Sinne – die Azubis lernen durch eigenes Handeln, und zwar möglichst umfassend. Sie übernehmen Verantwortung, treffen Entscheidungen, arbeiten im Team und lernen, Theorie in die Praxis zu übertragen. Es fördert Kompetenzen wie Projektmanagement, Selbstorganisation, Fachwissen, Kreativität und oft auch unternehmerisches Denken. Durch die Präsentation des Projektergebnisses trainieren sie gleichzeitig Kommunikationsfähigkeiten.
Projekte eignen sich besonders für fortgeschrittene Lehrjahre und für Themen, die nicht in 30 Minuten erledigt sind. Häufig werden Projekte in überbetrieblichen Unterweisungen oder im letzten Ausbildungsjahr durchgeführt, wenn die Azubis schon genug Wissen haben, um eigenständig zu arbeiten. Beispiele: Azubis einer IT-Ausbildung entwickeln eine kleine Software-Anwendung zur Verbesserung interner Abläufe; Azubis im Garten- und Landschaftsbau planen und gestalten eigenverantwortlich einen kleinen Show-Garten; kaufmännische Azubis führen eine Kundenumfrage durch und werten sie aus. All das sind Projekte, die mehrere Wochen dauern können.
Im Rahmen der AEVO ist die Projektmethode eher theoretisch relevant – sprich: Du solltest sie kennen und eventuell in Prüfungsfragen oder im Fachgespräch erläutern können. Es zeigt dein Verständnis von pädagogischen Konzepten, wenn du erwähnst, dass du Projektarbeit einsetzen würdest, um die Ausbildung abwechslungsreich und realitätsnah zu gestalten. Die Prüfer wissen: Ein Ausbilder, der methodisch so fit ist, wird Azubis ganzheitlich fördern.
Die Lehrmethoden der AEVO werden von zertifizierten Ausbildern in verschiedenen Branchen und Bildungseinrichtungen eingesetzt. Diese Ausbilder haben die AEVO-Prüfung erfolgreich abgelegt und sind qualifiziert, Auszubildende in ihrem jeweiligen Fachbereich zu unterrichten. Unternehmen, Berufsschulen und überbetriebliche Ausbildungsstätten nutzen diese Methoden, um sicherzustellen, dass ihre Auszubildenden eine umfassende und effektive Ausbildung erhalten. Ausbilder spielen eine entscheidende Rolle dabei, die Methoden auf die Bedürfnisse und den Entwicklungsstand der Auszubildenden anzupassen und so die Ausbildungsziele zu erreichen.
Angesichts dieser Vielfalt stellt sich die Frage: Wie wähle ich die passende Methode aus? Hierfür gibt es kein Patentrezept, aber einige Leitlinien.
Kombination von Methoden: In vielen Fällen ist es sinnvoll, Methoden zu kombinieren. Gerade komplexe Lerneinheiten profitieren davon, verschiedene Ansätze zu vereinen. Beispielsweise kann eine Ausbilderin bei einem Thema wie „Qualitätsprüfung“ zuerst per Lehrgespräch die Kriterien erarbeiten (Was ist Qualität? Worauf müssen wir achten?), dann eine Demonstration durchführen, wie ein Prüfgerät benutzt wird (Teil der Vier-Stufen-Methode), und schließlich die Azubis selbst üben lassen. So werden kognitive und praktische Lernziele gleichermaßen abgedeckt. Kombination bedeutet auch nicht zwingend, zwei Methoden 50/50 zu mischen – oft gibt es eine Hauptmethode und kleine Elemente anderer Methoden als Ergänzung.
Flexibilität: Ein guter Ausbilder bleibt auch während der Durchführung flexibel. Vielleicht merkst du, dass dein Azubi heute sehr aufgeschlossen ist und viel Vorwissen hat – dann kannst du spontan mehr in Richtung fragend-erarbeitend gehen, obwohl du eigentlich einen Vortrag geplant hattest. Oder umgekehrt: Wenn die Azubis sehr zurückhaltend sind, musst du evtl. mehr erklären als gefragt. Flexibilität bedeutet, den Lernenden im Blick zu haben und die Methode situativ anzupassen, ohne natürlich das Lernziel aus den Augen zu verlieren.
In der AEVO-Prüfung – konkret im praktischen Teil – müssen angehende Ausbilder ihr Können unter Beweis stellen. Je nach IHK oder HWK führen Sie entweder eine Präsentation durch oder eine praktische Unterweisung (oft als simulierte Ausbildungssituation mit einem „Azubi“). Die Lehrmethoden spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie müssen nicht nur eine Methode auswählen, sondern diese auch richtig anwenden und begründen können, warum sie für Ihr Thema geeignet ist.
Für die AEVO-Prüfung bedeutet das: Bereits bei der Planung Ihrer Unterweisung oder Präsentation überlegen Sie, welche Methode am besten passt. Im Prüfungsgespräch (Fachgespräch) nach der Durchführung fragen die Prüfer meistens gezielt nach Ihren didaktischen Überlegungen. Typische Fragen sind zum Beispiel: „Warum haben Sie sich für diese Methode entschieden?“, „Welche Alternativen gäbe es?“ oder „Wie haben Sie die Lernziele methodisch umgesetzt?“. Hier punkten Sie, wenn Sie die Vor- und Nachteile der gängigen Ausbildungsmethoden kennen und plausibel darlegen, dass Ihre Wahl für den Lerninhalt und den Auszubildenden sinnvoll war.
Die Prüfer achten bei der praktischen AEVO-Prüfung besonders auf folgende Punkte:
Die Lehrmethoden in der AEVO-Prüfung sind nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Nachweis, dass Sie fachlich und pädagogisch in der Lage sind auszubilden. Im nächsten Abschnitt stellen wir die wichtigsten dieser Methoden vor – inklusive praktischer Beispiele und Hinweise zur Eignung.
Zum Abschluss einige konkrete Tipps, wie du die richtige Methode findest und erfolgreich in der Prüfung umsetzt – und welche häufigen Fehler du vermeiden solltest:
Mit diesen Tipps und dem Wissen um die verschiedenen Unterweisungsmethoden bist du bestens gerüstet, um sowohl die AEVO-Prüfung erfolgreich zu bestehen als auch im späteren Berufsalltag pädagogisch geschickt zu agieren.
Eine gute Ausbildung ist mehr als Fachwissen weitergeben – es geht darum, wie man Wissen vermittelt. Die wichtigsten Lehrmethoden der AEVO helfen Ausbildern dabei, für jede Situation das passende Werkzeug zur Hand zu haben. Ob Vier-Stufen-Methode für praktisches Können, Lehrgespräch für gemeinsames Erarbeiten, Rollenspiel für Verhaltenstraining oder Projektarbeit für ganzheitliches Lernen: Jede Methode hat ihren Zweck und Einsatzbereich. Wer die Stärken und Schwächen kennt, kann sie gezielt auswählen und auch kombinieren, um einen abwechslungsreichen Methodenmix zu gestalten.
Für angehende Ausbilder zahlt sich diese didaktische Überlegung doppelt aus – in der AEVO-Prüfung überzeugst du die Prüfer mit einer schlüssigen Methodenwahl, und in der Praxis sorgst du für interessanten, nachhaltigen Unterricht. Letztlich führt die durchdachte Methodenwahl zu motivierten Auszubildenden, die aktiv mitlernen, und damit zu besseren Lernergebnissen.
Denke also immer daran, deine Ausbildungseinheiten gut zu planen: Welches pädagogische Ziel verfolge ich, und wie komme ich methodisch am besten dorthin? Mit Empathie für die Lernenden und einem Repertoire an Ausbildungsmethoden im Rücken wirst du zum erfolgreichen Ausbilder, der nicht nur den AdA-Schein in der Tasche hat, sondern auch im Berufsalltag junge Menschen kompetent anleiten kann. Ausbildung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe – mit den richtigen Lehrmethoden meisterst du diese Aufgabe praxisnah, verständlich und effektiv.